Montag, 21. Oktober 2013

Einblicke 3

                                                                       

E I N B L I C K E

in die Vereinsarbeit des Fördervereins Kämmereimuseum Blumenthal e. V.

                                               für Vereinsmitglieder und Interessierte

                                                                              Nr. 3

Liebe Mitglieder und Interessierte,

wie Sie alle mitbekommen haben, jährte sich am 13. April 2013 zum 130igsten Mal der Gründungstag der BWK. Dieses denkwürdige Datum war Anlass, uns „etwas Besonderes“ einfallen zu lassen und auf die historische Verbindung Blumenthals zur Bremer Woll-Kämmerei hinzuweisen. Mehr dazu in unserem Rückblick und Nachbetrachtung.  

130igster Gründungstag der BWK am 13. April – ein Rückblick

Für diesen Tag hat sich der Vorstand des Vereins etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Es wurden alle Geschäftsführer der auf dem ehemaligen BWK-Areal ansässigen Firmen und alle namhaften Bremer Kulturrepräsentanten in das ehemalige BWK-Direktorengebäude eingeladen („Kultur trifft Wirtschaft“). Die Firmen hatten für die Blumenthaler Bevölkerung erstmalig ihre „Fenster und Türen“ geöffnet.

Darüber hinaus wurde dem einstigen Generaldirektor der BWK und großen Mäzen Blumenthals, Richard Jung („Richard-Jung-Straße“, „Richard-Jung-Heim“), ein eigener Ausstellungsraum gewidmet. So war es auch nicht verwunderlich, dass es sich die Enkelin von Richard Jung, Karin Visser-Jung, trotz ihrer fast 88 Jahre nicht nehmen ließ, mit ihren Kindern Hans und Jody aus Holland anzureisen, um noch einmal ihre alte Kindheitsstätte zu besuchen.

„Als Zeitzeugin“ verdanken wir Frau Karin Visser-Jung  einzigartige Aussagen über ihren Großvater, Generaldirektor Richard Jung, und über ihre Eltern, Walter Jung und seiner Frau Annelise, geb. Hartmann („Hartmannstift“), hier auf einem Rundgang durch die Ausstellung des Fördervereins.

                                 v. l. n. r.: Hans Visser, Detlef Gorn, Jody Visser, Peter Nowack und Karin Visser-Jung, Enkelin von Richard Jung

            Gerührt und ergriffen: Unser Ehrengast: Karin Visser-Jung mit Sohn Hans vor dem Bild Ihres Großvaters, 
Richard Jung, Ehrenbürger von Blumenthal, in dem ehemaligen BWK-Direktorengebäude (heute im Besitz der Fa. Gill)

Man merkte unserem Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Jens Böhrnsen, an, dass es ihm eine Freude war, trotz zeitgleicher BreNor, Grußworte an die über 70 geladenen Gäste zu richten, darunter viele ehemalige Beschäftigte mit ausländischen Wurzeln, die in den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Blumenthal eine neue Heimat gefunden haben.

                                        v. l. n. r.: Heinrich Gies mit Ehefrau, Jens Böhrnsen, Detlef u. Monika Gorn

                          
                                         Gastredner Bürgermeister Jens Böhrnsen, Heinrich Blecher, Ehrenmitglied und Detlef Gorn


Die Resonanz in der Bevölkerung war beachtlich, insbesondere auch bei den Bewohnern mit ausländischen Wurzeln, wie die nachfolgenden Bilder zeigen.

                                                       Eine Familie mit türkischen Wurzeln – vom Enkel bis zum Opa           




                                                   D. Adamus im Gespräch mit Carsten Klapproth (Oldtimer Speicher)


Wichtig für die Außendarstellung des Vereins: Infos für die Medien!

Ein vielgefragtes Mitglied in diesem Zusammenhang war unser Wollkaufmann i. R.,
Uwe Böhnisch, der wie immer alle Fragen gekonnt und geduldig beantwortete.

           
                         Uwe Böhnisch hier mit Susanne Labatzke v. Weser Report – stellvertretend für alle anderen Medienvertreter

Unterstützt wurde der Verein dabei u. a. vom Staatsarchiv, dem Focke Museum, der Wirtschaftsförderung Bremen, dem Bauamt Bremen-Nord und nicht zu vergessen den hiesigen Institutionen, wie Ortsamt und Beirat Blumenthal.

Mit Ihrer Hilfe (!) war es uns gelungen, einen bunten Mix aus Kultur- und Mittelstandsakteuren zusammenzuführen und dabei die hiesige Bevölkerung mit zu integrieren.

Der 130igste Gründungstag der BWK war der Anlass; unsere Ehrengäste, Familie Visser-Jung aus den Niederlanden, der Mittelpunkt!

Viele der anwesenden Mitbürger mit ausländischen Wurzeln haben uns anschließend in unserer Ausstellung versichert, dass es für sie eine "große Ehre" war, dabei gewesen zu sein.

Sie alle haben dazu beigetragen, dass es uns gelungen ist, mit einem relativ geringen Mitteleinsatz ein Höchstmaß an Akzeptanz und Aufmerksamkeit zu erlangen - für eine gute Sache. Dafür gebührt ihnen allen unser Dank.


Eine kleine Nachbetrachtung zum Gründungstag der BWK

Von Detlef Adamus, 2. Vorsitzender

Unsere Veranstaltung dürfen wir als gelungen bewerten, auch wenn am gleichen Tag die „BreNor„ stattfand. Unser Termin war an das „historische Gründungsdatum“ der Bremer Woll-Kämmerei gebunden!

Die Ausstellung fand reges Interesse und breiten Zuspruch in der Bevölkerung und vor allem auch bei den ehem. Kämmereibeschäftigten. Das wusste auch unser Ortsamtsleiter Peter Nowack in seiner Rede beim Empfang zu würdigen: 

“So manche professionelle Ausstellung ist nicht so vielseitig und interessant und wurde mit so viel Liebe und Leidenschaft gestaltet“.

Auch der im Gill-Gebäude - der ehemaligen kaufmännischen BWK-Verwaltung - gegebene Empfang für etwa 70 geladene Gäste war ein voller Erfolg. Unter dem Motto „Kultur trifft Wirtschaft„ und das war unserem Vorsitzenden besonders wichtig, trafen sich ehemalige ausländische Kolleginnen und Kollegen aus Italien, Spanien, Griechenland, Portugal, Jugoslawien, Polen und der Türkei, die heute ihren Lebensmittelpunkt in Blumenthal haben, und ließen ihre Jahre bei der BWK „Revue passieren“. Viele dieser ehemaligen „Gastarbeiter“ empfanden die Einladung als eine „große Ehre“!

Auch „politische Prominenz“, wie Bürgermeister Jens Böhrnsen, der Ortsamtsleiter Peter Nowack, die Bürgerschaftsabgeordnete Silvia Neumeyer und Rainer Bensch gaben unserem Ehrengast, Frau Karin Visser-Jung, die Enkelin von Richard Jung - die extra mit ihrem Sohn und der Tochter aus den Niederlanden angereist waren - die Ehre.

Weitere „Ehrengäste“ waren: Heinrich Gies (der Name „Gies“ steht für die ehemalige Maschinen- und Armaturenfabrik Dewers in Bremen-Rönnebeck), Enkel des ehem. Direktors Dr.-Ing. Heinrich Gies, und Horst Zahn (drei Generationen „Zahn“ arbeiteten auf der BWK!). Somit waren an diesem Jubiläumstag drei Enkel ehemaliger BWK-Verantwortlicher aus den 30iger Jahren anwesend!

Nach der Begrüßungsrede durch unseren 1.Vorsitzenden, Detlef Gorn, gaben auch der Bürgermeister, Jens Böhrnsen, sowie der Ortsamtsleiter, Peter Nowack, in ihren Reden nur lobende Worte zu der Veranstaltung und dem ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder des Fördervereins ab.

Nachdem der Verein erst Mitte 2011 gegründet wurde, ist dieses als toller Erfolg zu werten und es wäre wünschenswert, wenn das Kämmereimuseum möglichst auf dem ehem. BWK-Gelände eine feste Einrichtung wird.

Auch die wirtschaftliche Revolution, die Blumenthal durch die Ansiedlung der Bremer Woll-Kämmerei erlebte, und der Aufstieg durch Zuwanderung von Menschen, hatte eine „Bevölkerungsexplosion“ Blumenthals zur Folge.
Fortschritte, wie der Bau von Elektrizitäts- und Wasserwerk bzw. Wasserturm, der Ausbau der Kanalisation und der Straßen, aber auch die Errichtung von Kirchen und Schulen und - nicht zu vergessen - die Schaffung von Wohnraum, prägten die Geschichte des Ortes Blumenthal und seiner Bewohner. Das alles wurden an diesem Tag in den Redebeiträgen entsprechend gewürdigt.

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die Unterstützung des Fördervereins Kämmereimuseum durch die Wirtschafts-förderung, das Staatsarchiv, den Blumenthaler Beirat, die regionale Presse und das hkw Blumenthal, welches die Ausstellungsräumlichkeiten kostenlos mit Strom und Wärme versorgt. Auch die Unterstützung von Frau Jelkmann-Groß, ohne sie wäre der Kontakt zum Ehrengast, Frau Visser-Jung, nicht zustande gekommen, gehört dazu.

Zum Abschluss des Empfangs überreichte der Geschäftsführer der hkw Blumenthal GmbH, Günter Timmer, unserer Kassenwartin Monika Gorn einen Scheck über 1.500 €.

An diesem Ehrentag kam auch unsere 2. Ausstellung im Gebäude 43/44 voll zur Geltung. Ein zusätzlicher Raum wurde der Gründerzeit der BWK und dem langjährigen Generaldirektor der BWK, Richard Jung, gewidmet.

Die industrielle Wollverarbeitung in Deutschland begann 1872 mit der Errichtung von Kämmereien in Leipzig und Döhren bei Hannover und einer Wollwäscherei in Bremen-Lesum (s. hierzu auch Chronik im BWK-Bildband „EIN JAHRHUNDERT BWK 1883 – 1983“). Hier beginnt in unserer Ausstellung die chronologische Entwicklung der Wollverarbeitung, schwerpunktmäßig bezogen auf die BWK.

Die sieben Bremer Kaufleute

Konsul George Albrecht, Heinrich Claußen, Generalkonsul F. W. Delius, Johannis Fritze, Joseph Hachez, Caspar G. Kulenkampff und Konsul Friedrich Weinling wurden in dem o. a. Band als „Firmengründer“ bezeichnet, die ihre „Konstituierende Generalversammlung“ am Freitag, dem 13. April 1883, abhielten. Der erste Vorstand: Kommerzienrat Ferdinand Ullrich als kaufmännischer Direktor und Paul Zschörner als Technischer Direktor. Beide haben den aufstrebenden Textil-Betrieb maßgeblich geprägt. Alle „Köpfe“ wurden in der Ausstellung „chronologisch“ eingeordnet und sind „bildlich“ zu bewundern.

Richard Jung ist, was vielen nicht bekannt ist, der einzige Ehrenbürger Blumenthals! Als Generaldirektor von 1909 bis 1936 hat sich Richard Jung große Verdienste um Blumenthal und die BWK erworben. Dafür ehrte ihn der damalige Gemeinderat von Blumenthal und verlieh Richard Jung die Ehrenbürgerrechte und zwar am 12.05.1935 zu seinem 70. Geburtstag.

In der Ausstellung befindet sich auch Bildmaterial von dem ehemaligen „Richard-Jung-Heim“ und der Siedlung der „Richard-Jung-Straße“ (frühere Gartenstraße), sowie Bilder aus der Familie Richard Jungs mit der Enkelin, dem heutigen Ehrengast Karin Visser-Jung.

Sein 40jähriges Dienstjubiläum am 01. August 1928 wurde ebenfalls dem Ausstellungsbesucher präsentiert. Mit Bildern von der Todesanzeige bzw. der Grabstelle und seinem Nachfolger – Sohn Walter Jung - schloss sich die Würdigung des Lebenswerks unseres Blumenthaler Ehrenbürgers Richard Jung in unserer Ausstellung ab.

Als besonderes Schmuckstück der Ausstellung wurde noch ein restaurierter Deckenleuchter aus dem ehemaligen Speisesaal im Keller des Gebäudes 43 (alte Kantine) präsentiert.

Großes Interesse fand auch die Vorführung des historischen schwarz-weiß Films aus dem Jahr 1937, der von dem Blumenthaler Fotografen und Filmemacher Jonny Seubert gedreht wurde. Ein weiterer Film von ihm zeigt einen Betriebsausflug der BWK-Beschäftigten nach Goslar.

Die sehr positive Resonanz der gesamten Veranstaltung am 13 April 2013 und die positive Zusage der Wirtschaftsförderung Bremen, dass wir die Räumlichkeiten weiter nutzen dürfen, freut uns und beflügelt uns zugleich, die Geschichte der Bremer Woll-Kämmerei und seiner Beschäftigten am Leben und in Erinnerung zu erhalten.

Bürgerantrag „Ehrenbürger Richard Jung“


Ehrenbürger scheinen in Bremen-Nord „rar gesät“ zu sein; Blumenthal hat nur einen (den anderen lassen wir mal da, wo er sich befindet – in der Versenkung). Umso wichtiger erschien es uns, dass wir die Erinnerung an ihn, Richard Jung, wach halten. Unser Bürgerantrag soll ein erster Schritt in diese Richtung sein.


      
Die große Resonanz in der Bevölkerung hat den Förderverein bewogen, sich nochmals intensiv für einen Erhalt der Ausstellung incl. Filmvorführungsraum und somit Verbleib in den historischen BWK-Räumen einzusetzen und einen entsprechend begründeten Antrag an die Wirtschaftsförderung Bremen gerichtet.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten:

„... gestatten wir Ihnen die weitere Nutzung auf dem BWK-Gelände auf unbestimmte Zeit.“

                                       Die „Überbringerin“ der tollen Nachricht: Frauke Freitag von der WFB

Aufgrund der nunmehr relativ guten „Planungssicherheit“ hat sich der Vorstand entschlossen, den Filmvorführungsraum mit einem eigenen hochwertigen großen Flachbildschirm auszustatten, um den Besuchern ein optimales Seh- und Hörerlebnis zu bieten. Darüber hinaus dient der Raum dem Team nun als „Arbeitsraum“ für die Videobearbeitung.

                                                             Gespannte Atmosphäre bei den Betrachtern


Schicksal der/des BWK-Kantinenleuchter


                                                                         vorher                  

                                                  nachher (als „Highlight“ in der Ausstellung; Foto Adamus)
      
                                                        verloren – aber noch nicht vergessen. . .       

                                          . . . in Arbeit (v. l. n. r. Detlef Adamus, Ralf Ratjen u. Alfred Mühlberger)



Spendensegen

Eine Sache möchte ich gleich vorwegnehmen: Den Spruch von Wilhelm Busch, der da lautet:

Zu nehmen, zu behalten
und gut für sich zu leben,
fällt jedem selber ein.
Die Börse zu entfalten,
den andern was zu geben,
das will ermuntert sein . . .

bedurfte es diesmal nicht.

Der 130igste Gründungstag bescherte uns nicht nur reichlich Arbeit mit Vorbereitung und Organisation, sondern auch einen Spendensegen.

                       
                                        Scheckübergabe durch den Gf der hkw Blumenthal GmbH, Günter Timmer, an die 
                                                        Kassenwartin Monika Gorn (Einzelbildausschnitt aus Videofilm D. Adamus)

Günter Timmer: „Wir wissen sehr zu schätzen, was Ehrenamt bedeutet . . . „

Auf diesem Wege nochmals an alle Spender -> Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!


EINBLICKE in Kürze

- Über 500 Schriftstücke digitalisiert

In den vergangenen 2 Jahren, seit unserem Bestehen,  sind uns über 500 Schriftstücke
(u. a. Zeitungsausschnitte, Dokumente etc.) übergeben worden, u. a. vom Ortsamt Blumenthal, Beiratsmitglied Anke Krohne, Jürgen Sander usw.. Alle hatten einen Bezug zur BWK. Chronologisch nach Datum geordnet wurden alle Stücke von Detlef Adamus in mühevoller Sisyphusarbeit digitalisiert.

- Werkszeitung „Sir Charles“ digitalisiert

Unser Mitglied Axel Kaufmann ließ sich auch nicht lumpen und testete gleich seinen neu erworbenen DIN A3-Scanner. Vor ein paar Tagen meldete er „Vollzug“ – „alle Ausgaben digitalisiert“.

Die BWK-Zeitung ist ein einzigartiges Werksdokument – nicht nur für uns. Auch das Staatsarchiv hat sein Interesse bereits bekundet. Eine noch zu fertigende Namens- und Sachthemenübersicht  wird die ganze Sache abrunden und einen schnellen Zugriff auf eine bestimmte Ausgabe enorm vereinfachen.  

- Neue Mitglieder

Wir begrüßen unsere neuen Mitglieder und heißen sie in unserem Verein herzlich willkommen:

Günter Timmer, Günther Barg, Almke Barg, Reinhard Landwehr, Hans-Dieter Richter,
Rigo Monville, Reni Tauch

- Ausstellungsrarität

Von unserem Mitglied Walter Sassenberg stammt diese wunderschöne Auszeichnung, die seinem Großvater, Johann Pola, anlässlich 40jähriger Betriebszugehörigkeit im Jahre 1944 überreicht wurde. Die filigrane Darstellung des BWK-Werkes - in Metall gearbeitet und 300 g schwer - ist schon etwas ganz Besonderes und ein echter Hingucker.

Die Auszeichnung wird einen würdigen Platz in unserer Ausstellungsvitrine finden.

- Eine Absage mit „Stil“

Sehr geehrter Herr Gorn,

Frau XY bedankt sich sehr herzlich für die freundliche Einladung zum Empfang in das ehemalige kaufmännische Verwaltungsgebäude der Bremer Woll-Kämmerei am 13. April 2013.

Leider ist sie in der ganzen Woche im Ausland auf Geschäftsreise, so dass sie der Einladung nicht folgen kann, was sie sehr bedauert, auch im Hinblick auf die sehr interessante Gästeliste.

Ihrem Förderverein wünscht sie weiterhin viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen/ Kind regards

XY

Sekretariat Geschäftsleitung/Personal Assistant

Urteilen Sie selbst . . . .

- „Kämmlinge“ in der Chemiefaser?

Ein Mitglied unseres Vereins fand keinen ruhigen Schlaf mehr, so sehr schien ihn die Frage zu beschäftigen: Gibt es in der Chemiefaserveredelung auch die so genannten "Kämmlinge" (ganz kurze Fasern) und falls ja, was passiert damit?

Die Frage wurde kurzerhand an den Fachmann, Herrn Matthias Mantwill, weitergeleitet.

Gibt´s "Kämmlinge" in der BWK Chemiefaser?

Postwendend erhielten wir die Antwort:
„Genau wie bei der Verkämmung von Schurwolle, fällt auch bei der Verkämmung von Chemiefaser Stapelfasern (= geschnittene Fasern) Kämmling an. Die entsprechenden Mengen, die bei uns anfallen, sind allerdings recht überschaubar. Kämmlinge werden u.a. in der Filzindustrie eingesetzt oder auch als Füllmaterial (z.B. Bettdecken) genutzt“.
Also doch . . . .


- EINBLICKE gibt Ausblicke

- Tag des offenen Denkmals auf dem BWK-Areal

Das Landesamt für Denkmalpflege plant einen „Tag des offenen Denkmals“ auf dem BWK-Areal und hat in dieser Angelegenheit kürzlich Kontakt mit uns aufgenommen („Sie haben ja bereits Erfahrung . . . „). Begleitet wird das ganze wie immer mit einem großen Medienrummel. Termin: Sonntag, d. 08. September.

- Projektarbeit „Integration im Stadtteil“

Migration und Integration haben seit 125 Jahren in Blumenthal Tradition!

Unser Bürgermeister hat anlässlich des Empfangs am 13. April erkannt, dass Blumenthal in dieser Hinsicht Potential für ein interessantes Projekt bietet. Dieses soll in der
2. Jahreshälfte angegangen werden, wie uns soeben aus der Senatskanzlei mitgeteilt wurde. Quartiermanagement (Heike Binne) und Förderverein (Detlef Gorn) werden zu einem vorbereitenden Gespräch in die Senatskanzlei geladen.

- Verein plant Öffnungszeiten seiner Ausstellung

Für die 2. Jahreshälfte 2013 ist geplant, die Ausstellung anlog vergleichbarer Einrichtungen (z. B. Kahnschifferhaus in Farge) 1 oder 2 x monatlich der Bevölkerung zugänglich zu machen. Die genauen Zeiten werden rechtzeitig bekanntgegeben und über die Medien kommuniziert.


Wir würden uns freuen, wenn Sie unsere EINBLICKE in Ihrem Netzwerk verteilen und den einen oder anderen zu einem Vereinsbeitritt für 83,3 Cent pro Monat bewegen könnten.

Warum?

Wir machen es für Blumenthal und für die nachfolgenden Generationen!


Anschrift des Vereins:

Förderverein Kämmereimuseum Blumenthal e. V.
An der Lehmkuhle 18 a, 28777 Bremen

Kontakt:

Tel. 04 21 – 60 52 71
Mail: dgorn@t-online.de


erstellt:

Detlef Gorn, 1. Vorsitzender


Erscheinungsdatum: 25. Mai 2013



Einblicke 2

                        

E I N B L I C K E

in die Vereinsarbeit des Fördervereins Kämmereimuseum Blumenthal e. V.

                                               für Vereinsmitglieder und Interessierte

                                                                              Nr. 2

Liebe Mitglieder und Interessierte,

das neue Jahr 2013 ist für uns im Hinblick auf die BWK ein ganz besonderes Jahr. Am 13. April jährt sich nämlich zum 130zigsten Mal der Gründungstag der BWK. Aus diesem Anlass haben wir uns bereits im Dezember letzten Jahres ins Staatsarchiv begeben, um dort einmal nach der „Gründungsurkunde“ zu suchen. Das Ergebnis unserer Recherche widmen wir unserem 1. Thema.


BWK-Gründung 1883


Bekanntlich bereitet ja vielen Menschen das Datum „Freitag, der 13.“ ein mulmiges Gefühl. Das schien den Gründungsvätern der BWK vor 130 Jahren nicht im Geringsten gestört zu haben. Der 13. April vor 130 Jahren war ein Freitag und der Geburtstag der Bremer Woll-Kämmerei (BWK) und – aus heutiger Sicht betrachtet - ein Glücksjahr für Blumenthal.

In dem Film „Competence in Wool“, den die Bremer Woll-Kämmerei 100 Jahre später in Auftrag gegeben hat, heißt es einleitend:

„Weitschauende Männer aus der Bremischen Kaufmannschaft und der sächsischen Textilindustrie fassten 1883 den Entschluss, eine Wollkämmerei zu errichten, um den steigenden Bedarf der deutschen Kammgarnindustrie an Kammzug Rechnung zu tragen“. Innerhalb kürzester Zeit wandelte sich Blumenthal von einem Fischer- und Bauerndorf zu einer „beinahe Großstadt“. Rathaus, Wasserturm, Krankenhaus, Elektrizitätswerk , Kanalisierung usw. wurden für damalige Verhältnisse „Schlag auf Schlag“ errichtet. Die Bevölkerungszahl explodierte förmlich. Waren es 1885 noch 1.727 Einwohner, so dürften sich die Einwohnerzahlen 1905 bereits mehr als verdoppelt haben. Die Blumenthaler Schriftstellerin Tami Oelfken beschrieb in ihrem Buch Maddo Clüver detailreich ihre Eindrücke: „Ein Schuppen von roten Klinkersteinen nach dem anderen wuchs mit Windeseile aus dem Boden. Die riesigen Fenster der Maschinenhäuser waren aufgeteilte schwarze Gerippe, an denen von außen eiserne Treppengeländer bis in schwindelnde Höhen hinaufkletterten. Öltriefende Kolben stampften bereits hin und her, so dass die Erde zitterte“.

- Auf Spurensuche im Staatsarchiv

Von Uwe Böhnisch stammte der Hinweis, dass die ledergebundenen Geschäftsberichte aus den Anfangsjahren der BWK dem Staatsarchiv übergeben worden waren. Was lag also näher, als sich die ganze Sache einmal „vor Ort“ anzuschauen.

Ich kann das Ergebnis vorwegnehmen: Alle Geschäftsberichte liegen hier in einer geschlossenen Serie „von Einstandsbüchern“ in der Dienstbibliothek des Staatsarchivs vor. Die Ablage "BWK" (hier: Platz 7,2135) im Tiefbunker des Staatsarchivs, ist eine Wucht! Alle Bilanzen, Ergebnis- und Erlösnachweise, aufgestellt nach Wollpartien, Warenein- und -ausgängen, Einkäufen usw. von den damaligen Kaufleuten vom ersten Betriebsjahr an in sauberer Handschrift penibel dokumentiert (s. nachfolgende Fotos).

   
                                                       Monika Gorn, Kassenwartin, und ein Mitarbeiter des Staatsarchivs                           



                                                              Jeweils vier Einstandsbücher lagern übereinander


                                                                       Monika Gorn betrachtet die Zahlen                                                               



                                                                            Ergebnis- und Erlösnachweis pro Partie


Die historisch wertvollen Bände lagern im Staatsarchiv unter idealen Bedingungen, was Luftfeuchtigkeit, Temperatur etc. anbelangt. Alles sauber eingestellt und geregelt – besser geht´s nicht.

Überrascht hat uns, dass wir in einem Einstandsbuch auch Lagepläne über die einzelnen Gebäudeteile fanden (s. nachfolgende Fotos vom Hochbau). Diese Signatur trägt den Titel: Maschinenversicherung – Abschätzung des Anlagevermögens. Das Buch enthält u. a. eine Liste des Anlagevermögens der BWK.



   

- Sichtung der Gründungsunterlagen

Die Gründungsunterlagen und notariellen Beglaubigungen von 1883 konnten wir ebenfalls in aller Ruhe sichten. Das Gründungsgeschehen der BWK ist in der Überlieferung der Amtsgerichte Bremen und Blumenthal dokumentiert (Fundstellen im Staatsarchiv: StAB 4,75/5 – HRB 171 sowie StAB 4,46/1 – A. 77).

Das Gründungsdatum ist eindeutig und zweifelsfrei der 13. April 1883, wie das nachfolgende Foto beweist!





Wir möchten an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass uns Dr. Jörn Brinkhus vom Staatsarchiv sehr bei unseren Bemühungen um Einsichtnahme der Unterlagen unterstützt hat. Hierfür gebührt ihm unser Dank.



Richard Jung – Ehrenbürger von Blumenthal

Die Norddeutsche Volkszeitung berichtete:

„In Anbetracht der außerordentlichen Verdienste, die Herr Generaldirektor Jung um die Entwicklung der Bremer Woll-Kämmerei und damit auch um die Entwicklung der Gemeinde Blumenthal hat, hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag beschlossen, ihm zu seinem 70. Geburtstag, den er am Sonntag, dem 12. Mai (1935), begeht, daß Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Blumenthal zu verleihen. Generaldirektor Jung befindet sich ab Sonntag zu einer Kur in Bad Kissingen, so daß es nicht möglich ist, ihm die Ehrenbürgerurkunde an seinem Geburtstage selbst zu überreichen. Dieses wird aber nachgeholt werden, sobald er zurückkehrt. Die Überreichung wird in öffentlicher Form und unter besonderen Ehrungen vor sich gehen.

Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an den verdienten Wirtschaftsführer wird allseitig begrüßt werden. Sowohl als Mensch als auch als Betriebsführer und Vater seiner Belegschaft erfreut sich Generaldirektor Jung allergrößter Beliebtheit. Mehr als einmal, und insbesondere auch in den letzten Jahren, hat er seine Hilfsbereitschaft und sein Eintreten für die Allgemeinheit bewiesen; und manches ist ihm zu verdanken“.

Seine Enkelin, Karin Visser-Jung, wohnhaft heute in Enschede, Holland, mit der wir in einen herzlichen Kontakt getreten sind, beantworte uns liebevoll unsere vielen Fragen zu ihrem Großvater, Richard Jung, und seiner Familie. Dafür gebührt Frau Visser-Jung unser Dank. Hierüber mehr in einer unserer nächsten Ausgaben.

Ohne Kommentar!


         BLV v. 27.12.2012


„Zum Krempel“ oder „Zur Krempel“?

Klaus Becker, ehemaliger Angestellter der BWK (lt. Telefonverzeichnis v. 1991 zuständig für „Marketing und Service“), ließ es keine Ruhe: Die Straßenbezeichnung zwischen Nicolaus-Heinrich-Schilling-Straße und Marschgehren wurde vom Amt für Straßen und Verkehr mal eben mit „Zum Krempel“ ausgeschildert. Das geht ja nun gar nicht, meint Klaus Becker, und vermeldet dem Amt auch gleich den Beweis:

„Das ist grammatikalisch falsch, da die gemeinte Maschine (hier: „Krempel“) ein Femininum ist, also muss es richtig heißen "Zur Krempel“. Die Krempel ist eine wichtige Station im Verarbeitungsprozess von der Rohwolle zum Kammzug. Auf der Krempel, einem System von großen und kleinen Walzen, die mit feinsten Metallhäkchen bedeckt sind, wird die gewaschene Wollflocke in ihre Einzelfasern aufgelöst. Es entsteht schließlich ein dünner Faserflor, der zu einem "Krempelband" zusammengefasst und den weiteren
Bearbeitungsstationen (Vorbereitungsstrecken, Kammstuhl, Fertigstrecken) zugeführt wird“.

Nun kommt´s aus Beckers Munde noch dicker: „Das Wort "Krempel" gibt es auch als Masculinum (Anm. EINBLICKE: „männliche Form“) in der umgangssprachlichen Bedeutung für Trödel, Kram, Abfall, Schrott etc. Der Krempel ist hier nicht gemeint!“. Beckers Forderung an das Amt: „Ich bitte Sie, die Straßenbezeichnung zu berichtigen“.

Die Meinung unseres Beisitzers Ralf Ratjen hierzu: „Die Straßenbezeichnung "Zum Krempel" ist grammatikalisch zwar nicht korrekt, aber wenn man eine Umfrage unter den ehemaligen BWK-Mitarbeitern machen würde, wird man schnell feststellen, dass die Mitarbeiter nicht zur Krempel sondern zum Krempel gehen und deshalb ist die Straßenbezeichnung so richtig!“ Basta!

Ausstellungsraritäten

- Wassersprühdüse und Kohlenschaufel

Von Walter Stache stammen die unten abgebildete Wassersprühdüse aus Messing und die Kohlenschaufel. Die selbstgefertigte Wassersprühdüse ist ein Geschenk seiner ehemaligen Schlosserkollegen zu seinem Jubiläum.
Uwe Böhnisch erläutert:

„Diese Düsen versprühten ständig Wasser aus Wätjens Park, da Weserwasser nicht ging. Ohne dieses Besprühen wäre Kämmen gar nicht möglich gewesen. Man kann diesen Sprühregen auch auf den vielen Bildern von den Kammsälen sehen“.

Die Kohlenschaufel hat ein Gewicht von ca. 8 kg. Wohlgemerkt: Ohne Kohlen! Beide Raritäten befinden sich nun in unserer Ausstellung in den alten BWK-Räumen und werden zukünftig unser Ausstellungsgut bereichern und ergänzen.









- Schilderwald, Wollschere u. Wollmaus

Von Jürgen Sander, Jg. 1939, der auf der BWK eine Lehre als Elektriker absolviert hat, stammen die unten abgebildeten Raritäten. Mit der Wollschere wurden in der Sortierung u. a. die Farbmarkierungen aus dem Wollvlies herausgeschnitten. Das rechte Foto zeigt eine sogenannte „Wollmaus“. Hierbei handelt es sich um eine Samenkapsel aus Australien, die in der Sortierung „zu hauf“ herausgefischt wurden. Die Kapsel ist ca. 10 cm lang und stammt nach Jürgen Sanders Aussage aus dem Jahre 1955.







Fairnesshalber sei erwähnt, dass Walter Stache und Jürgen Sander hier stellvertretend für alle anderen stehen, die uns ebenfalls Raritäten überlassen haben, ohne dass sie bis jetzt in dieser Hinsicht gewürdigt wurden. Man möge uns diesen Sachstand nachsehen.

Digitalisieren von alten Ton- und Filmaufnahmen

Am 6. Dezember 2012 haben wir an alle Mitglieder u. a. Fotos von 2 alten Analog-Bändern vermailt, verbunden mit der Frage, wer noch über entsprechende Aufnahmegeräte verfügt. Unser Ziel: Den Inhalt für die Nachwelt zu digitalisieren.















Von Joachim Pfadt, Groß Rönnau (Schleswig-Holstein), kam postum folgende Antwort:


„Der erste von Ihnen als „Filmrolle DP 13“ bezeichnete Datenträger ist kein Videoband, sondern ein klassisches Tonband. Es enthält also lediglich akustische Aufzeichnungen von dieser Schaffermahlzeit, höchstwahrscheinlich die Reden, die im Laufe der Veranstaltung gehalten worden sind“.
Das war eine glatte Punktlandung!

Über Olaf Jürß vom RadioWeserTV bekamen wir die Verbindung zu Oliver Kauffels, Mitglied im Verein „Bremer Rundfunkmuseum“. Olaf Jürß hat den Palast der Produktion radiomäßig begleitet und war jeden Samstag „auf Sendung“.

Oliver Kauffels:
„Die tontechnische Qualität des Bandes ist eine Katastrophe. Übersteuert, begrenzt, abgehackt. Der Inhalt könnte interessant für die historische Forschung sein. Es sind zwei CD`s, ca. 2 Stunden. Der Preis für die Arbeit ist unbezahlbar (Aufnehmen, Einpegeln auf – 0,5 dB) zurückspulen, neu starten), => 6 Stunden Arbeit“.

Wir hatten insgeheim gehofft, dass sich auf dem Band die Rede des damaligen Vorstands-mitglieds, Günther Delius, befindet. Das war leider ein Trugschluss, wie die Schaffer-Historienliste im Internet im Nachhinein ergab. Günther Delius übernahm erst ein Jahr später, nämlich 1975, die Funktion eines „Schaffers“. Wahrscheinlich hatte Günther Delius sich die Reden seiner Vorgänger erst einmal ausgiebig angehört, um sich mit der Materie „eines Schaffers“ vertraut zu machen.

Wir werden die digitalisierten Reden dem Staatsarchiv anbieten; selbstverständlich für eine adäquate Gegenleistung.

Bezüglich des 2. Bandes (hier: BASF Video cassette "VC 45") bekamen wir anlässlich einer Filmvorführung unseres historischen sw-Films von 1937 (s. nachfolg. Bericht) im Medienzentrum Nord (Bremen-Vegesack, Sedanplatz) einen entscheidenden Tipp eines aufmerksamen Zuhörers (hier: Stefan Tyborczyk, Seniorgruppe Medienzentrum). Videotechnik Kühn aus Schwanewede-Neuenkirchen – echte Profis, auch was den Preis anbelangt. 300 € kann uns der Spaß kosten. Daher ist es wichtig, zu wissen, was sich konkret auf dem Band befindet.

EINBLICKE fragt: Wer verfügt noch über ein älteres Abspielgerät (Videorekorder)?

Historischer sw-Film von 1937

Das Jahr 1937 muss ein ganz Besonderes in den Augen der damaligen „Chefetage“ der BWK gewesen sein. Die Herren Vorstandsmitglieder, Walter Jung (Sohn von Richard Jung), Heinrich Delius und Dr. Ing. Heinrich Gies fackelten ein Jahr nach der Olympiade in Berlin nicht lange, etwas Adäquates auch für „ihre BWK“ zu beauftragen. Einen Film, der nicht nur die Produktionsstätten und deren Abläufe zeigt, sondern auch einen Betriebsausflug nach Goslar fast schon „akribisch“ dokumentiert. Der Film wurde vom damaligen Blumenthaler „Filmemacher“ Jonny Seubert produziert (vielen Blumenthalern noch in guter Erinnerung: Drogerie Seubert, Am Markt).

Am 12.12.2012 hatten wir den Film im Medienzentrum Vegesack erstmalig einem kleinen Kreis „Medieninteressierter“ vorgestellt. Der Film ist an sich schon von historischer Bedeutung; die Szenenfolge, der gesamte Ablauf des Betriebsausflugs war minutiös exakt geplant. Ein anwesender Medienexperte von Radio Bremen bemerkte ganz trocken: „Da hat die "Riefenstahl" ganz klar Pate gestanden oder imaginär im Hintergrund fungiert; zu perfekt das Ganze . . . „. Wir glauben, dass es in Bremen keinen 2. derartigen Betriebsfilm aus dieser Zeit gibt. Daher ist es unser Wunsch, diesen Film zu vertonen, um ihn zum Gründungsdatum 13. April 2013 einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Olaf Jürß von RadioWeserTV hat uns seine tatkräftige Unterstützung zugesagt und „sein Netzwerk“ sensibilisiert.

Für die Vertonung ist es wichtig, die „Spontan-Kommentare“ von den „alten BWK-Hasen“ bei der Betrachtung des Films einzufangen. Hierfür haben wir drei Vorführtermine in unserem Ausstellungsraum eingeplant. Am 13.12.2012 fand bereits die erste Vorführung statt.


             Interessierte Betrachter: v. l. Hermann Kruse, Erika Brenner und Kurt Nagler 


             Joachim Schanno, Klaus Jäger (verdeckt), Günter Hohmann, Horst Peuckert,
             Klaus Becker, Detlef Adamus und Uwe Böhnisch

                                                    v. l. Joachim Schanno, Klaus Jäger, Günter Hohmann, Detlef Gorn


Dr. Hofschen vom Focke Museum besucht Ausstellung

Was kann einem Historiker und „Museumsmacher“ in Bremischen Diensten eigentlich noch beeindrucken? Vielleicht sind es gerade die Kleinigkeiten, die von den Mitgliedern und Interessenten des Fördervereins Kämmereimuseum in den letzten Monaten gesammelt wurden. Hiervon gab es in der Ausstellung, die sich Dr. Hofschen am 17.12.2012 persönlich angeschaut hat, genügend zu entdecken. Und plötzlich sprudelte es aus Dr. Hofschen´s Munde nur so von Vorschlägen: „Die Größe der BWK muss besser in Szene gesetzt werden, flankiert von Zahlen; Bilder brauchen Texterläuterungen – die alten Insider, die hierzu etwas sagen können, gibt es nicht mehr lange oder noch besser: Produktionsprozesse nicht per Poster, sondern medial vorführen – aber „themenbezogener“. Für Schulen sah Dr. Hofschen ein riesiges Betätigungsfeld. Beispiel gefällig: „Die „Wollmaus“. Wo kommt sie her? Wo wächst sie? Was ist das für eine Pflanze? Wozu dient sie? Wie kommt sie auf das Schaf und wie nach Blumenthal (Wegbeschreibung)? Somit würde man der hier ausgestellten unscheinbaren Wollmaus eine Geschichte geben. Die Recherche könnte von den Schülern über Internet in engl. Sprache getätigt werden – „interaktiv sozusagen“.

Ein Lageplan schafft Klarheit . . .

Dem Focke Museum wurden seinerzeit anlässlich der Werksschließung 2009 Foto- und Filmunterlagen übergeben, die von Dr. Hofschen´s Team aufbereitet wurden. Dr. Hofschen schlägt uns vor, das aufbereitete Material im Februar 2013 zu sichten und bietet uns Kopien seiner digitalisierten Unterlagen an. Darüber hinaus würde uns Dr. Hofschen optisch einwandfreie Ausstellungsvitrinen – ein Muss für jede Ausstellung – zur Verfügung stellen. Die Faserstoffprüfeinrichtung aus dem ehemaligen BWK-Labor der 20iger Jahre würde uns das Focke Museum ebenfalls als Leihgabe ausleihen.


                           Uwe Böhnisch erläutert Dr. Hofschen die Wassersprühdüse, 
                           „ohne die ein Kämmen gar nicht möglich wäre“

. . . mal gut, dass da jetzt kein Wasser rausspritzt . . .

Arkadenhäuser werden 2013 „aufgemöbelt“
(Bericht in der NORDDEUTSCHEN am 18.12.2012)



Die Feststellung des Redakteurs Jürgen Theiner „die prominente Lage an der Durchgangsstraße zwischen Blumenthal und Vegesack macht die Arkadenhäuser zu einer Art architektonischen Visitenkarte des BWK-Geländes“ trifft nur die halbe Wahrheit. Sie sind nämlich mehr. Sie sind vielmehr „ortsbildprägend“ oder noch treffender: „identitätsprägend“ für Blumenthal und seiner in Blumenthal lebenden Bevölkerung, wie die nachfolgenden Bilder eindrucksvoll beweisen.



Das Bild entstand 1939 und zeigt die Lange Straße, heute Landrat-Christians-Straße. Im Hintergrund das Blumenthaler Rathaus. Der Schornstein des Kesselhauses „B“ wird gerade „Stein um Stein“ demontiert. Das Gebäude vorne links steht ebenfalls noch. Es beherbergte vormals die Betriebskrankenkasse der BWK. Im Obergeschoß befindet sich eine Wohnung, die früher von dem „Stallmeister und Fuhrparkleiter" Herrn Steinbrecher bewohnt wurde. Auf der rechten Straßenseite das ehemalige Kaufhaus „Mann“. Heute steht hier eine Umspannstation der swb und ein Gebäude der Sparkasse Bremen. *1)

Ausschnitt aus einem BWK-Gemälde von 1889. Kesselhaus „B“ versorgt die Maschinen des sogenannten „Kamm- u. Plättensaals“ mittels „Transmissionen“ (Riemenantriebe). In der Mitte der beiden Gebäudetrakte befindet sich der Transmissionsgang (Riemengang). *1)




*1) Text teilw. entn. aus der Ausarbeitung „Kraftmaschinen der BWK um 1900“ v. Jürgen Peters

EINBLICKE in Kürze

- Verstorben
Am 07. Dezember 2012 verstarb der ehemalige Sortiermeister Eduard Klose, Jg. 1923, der uns als Zeitzeuge mehrfach Rede und Antwort stand.
Eduard Klose, hier rechts im Bild, bei der Unterweisung eines Volontärs (Name unbekannt)




- WFB gestattet weitere Nutzung der Ausstellungsräume
Die Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, Verwaltungsinstanz des BWK-Gebäudes 43 (ehem. techn. Verwaltung), gestattet dem FV Kämmereimuseum die weitere Nutzung ihrer Ausstellungsflächen. Unsere bis dato übliche monatliche „Beantragung auf Verlängerung“ entfällt damit. Geknüpft wurde diese Verwaltungsvereinfachung an ein 14-tägiges Kündigungsrecht seitens der WFB. An einer dbzgl. Besprechung im Bauamt Bremen-Nord am 22.10.2012 haben teilgenommen: Heiko Fischer, WFB; Tom Lecke-Lopatta, Bausenator; Peter Nowack, OAL; Maximilian Donaubauer, Leiter Bauamt Bremen-Nord; Uwe Böhnisch u. Detlef Gorn, FV Kämmereimuseum.

- ZZZ strebt weitere Zwischennutzung an
Die ZwischenZeitZentrale Bremen (ZZZ), die bereits den „Palast der Produktion“ geplant und betreut hat, begeistert z. Zt. unternehmungswillige „Zwischennutzungsinteressierte“ mit der Idee, 2013 eine weitere Teilnutzung der ehemaligen Sortierung (Gebäude 43) zu initiieren. Hierzu sollen sich die Interessenten zu einem Verein zusammenschließen, der dann als Ansprechpartner gegenüber der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) fungiert und den vertraglichen Rahmen mit der WFB absteckt.

- Uwe Böhnisch in den Ruhestand verabschiedet
Die auf dem BWK-Gelände ansässige Firma "Bremer Wollhandelskontor GmbH" verabschiedete ihren langjährigen Mitarbeiter Uwe Böhnisch Mitte Dezember in den wohlverdienten Ruhestand. Zur Verabschiedung waren ca. 30 bis 40 Wollleute aus der gesamten deutschen Wollindustrie in Blumenthal vertreten. Der Wunsch unseres Vereinsmitglieds Uwe Böhnisch war es, seine Verabschiedung "berufsgerecht" in einem gewohnten "authentischen Ambiente" durchzuführen. Die Räumlichkeiten unserer Kämmereiausstellung wären für Herrn Böhnisch der ideale passende Rahmen gewesen. Da die Verabschiedung u. U. mit einem gewissen Medieninteresse verbunden gewesen wäre, sah der Förderverein hierin eine Möglichkeit, das Gebäude erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Für Uwe Böhnisch sollte es aber noch besser kommen: Die Verabschiedung erfolgte letztendlich „stilgerecht“ im Gebäude der ehemaligen kaufmännischen Verwaltung der BWK (heute Fa. Gill).

EINBLICKE meint: Ehre, wem Ehre gebührt!

– Einsamer Kämpfer für die KGSK: Berthold Gehm
Berthold Gehm aus Kaiserslautern versucht schon seit geraumer Zeit, eine Erinnerungsstätte „seiner“ ehemaligen Kammgarnspinnerei Kaiserslautern (KGSK) zu installieren – bis jetzt leider vergebens, wie er uns in u. a. Mail wissen ließ:
„Bei uns in Kaiserslautern hat sich nicht viel getan - die Regionalzeitung wollte keinen Aufruf von mir bringen, so habe ich Türklinken in dem Stadtteil geputzt und eine Flugblattaktion -leider ohne Erfolg. Die wenigen „Kammgarner“, die noch leben im betagten Alter, fühlen sich dazu nicht mehr in der Lage. Von der Stadt selbst bin ich enttäuscht, besonders von unserem Theodor-Zink-Museum, dem ich alles angeboten habe. Drei Termine wurden fest ausgemacht, aber kurz davor immer eine Absage. In der Sache werde ich mich nun nicht mehr bei denen melden. Habe eine Einladung bekommen auf unserer Gartenschau im April 2013 einen Vortrag zu halten und mein Material über die KGSK zeigen zu dürfen, was ich gerne mache“.

EINBLICKE meint: Nicht verzagen! . . . oder alles nach Blumenthal schicken . . .

- Axel Kaufmann juckts in den Fingern
Nachdem unser Mitglied Axel Kaufmann die 1. Ausgabe der EINBLICKE mit seinem PC-Programm „Publisher“ auf postversandfähige „Heftform“ zurechtgestutzt hatte, nimmt er sich nun die Werkszeitung „Sir Charles“ vor. Alle Ausgaben werden in Originalgröße gescannt und ein Inhalts- u. Namensverzeichnis verfasst. Eine Aufgabe, die nicht nur Geduld beim Scannen, sondern auch Ausdauer verlangt. Von der ersten Ausgabe 1986 bis zur letzten sind es immerhin 62 Werkszeitungen . . .

- Mitgliederversammlung 2013
Unsere diesjährige Mitgliederversammlung findet am Freitag, d. 15. März, um 18 Uhr im Haus der Zukunft statt. Diesen Termin sollte man sich jetzt schon im Kalender ankreuzen, da der Vorstand komplett neu gewählt werden muss (s. Satzung, § 9, Abs. 4).

Unser großzügiger Spender und Mitglied, Heinrich Blecher, soll zum Ehrenmitglied unseres Vereins ernannt werden. Hierzu wird das Votum der Mitgliederversammlung benötigt.

Die Räumlichkeiten der Arkadenhäuser (s. Bericht weiter oben) bieten sich nach Fertigstellung idealerweise auch als Domizil des Fördervereins mit seiner Ausstellung an. Über eine Finanzierung soll mit dem Stiftungsrat der Nicolaus Heinrich Schilling Stiftung verhandelt werden.

Wir würden uns freuen, wenn Sie unsere EINBLICKE in Ihrem Netzwerk verteilen würden und den einen oder anderen zu einem Vereinsbeitritt für 83,3 Cent pro Monat bewegen könnten.

Warum?
Wir machen es für Blumenthal!

erstellt:
Detlef Gorn, Vorsitzender FV Kämmereimuseum Blthl. e. V.
Kontakt:
Anschrift des Vereins:
An der Lehmkuhle 18 a, 28777 Bremen
Tel. 04 21 – 60 52 71
Mail: dgorn@t-online.de
Erscheinungsdatum: 6. Januar 2013